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Erfolgloser Stromer : Wie der erste Elektro-Golf grandios floppte – Nachrichten Motor – DIE WELT

Erfolgloser Stromer  1976, 2014 der e-Golf ein Erfolg
Elektro Golf 1976
Foto: VW Tankstelle Schon 1976 wusste man, dass Elektroautos wie diese Golf I eigene Parkplätze brauchen, um nachladen zu können

04.01.14

Erfolgloser Stromer

Wie der erste Elektro-Golf grandios floppte

Was heute als E-Golf den Hoffnungsträger von VW darstellt, begann 1976 als Schrauber-Projekt: Der erste elektrische Golf surrte ziemlich saftlos durch die Gegend. Kein Wunder bei der Leistung. Von Roland Wildberg

Einmal pro Woche wird der Testwagen abgestaubt. So kommt es, dass der alte Golf im RWE-Strommuseum in Recklinghausen aussieht wie am ersten Tag. Sein weißer Lack glänzt, die Scheinwerfer blinken freundlich, makellose Lettern auf der Motorhaube verkünden wie 1976: “Ohne Abgas – einfach elektrisch.” Damals schnurrte der Golf “CityStromer” erstmals durchs Ruhrgebiet.

“Aber wenn man unter die Motorhaube schaut, sieht man schnell: Das ist überwiegend noch Bastelei gewesen”, sagt Museumsleiter Hanswalter Dobbelmann. Ob die deutsche Ingenieurskunst der 70er-Jahre heute noch überzeugt, muss offenbleiben.

Das Exponat im Recklinghäuser Umspannwerk kann sich nicht mehr aus eigener Kraft bewegen, denn die Blei-Säure-Batterien, die einst im Kofferraumboden gestapelt waren, sind aus Sicherheitsgründen entsorgt worden. “Aber der Motor müsste noch funktionieren.”

Über die Historie des Prototyps ist wenig bekannt. “Selbst bei VW wissen sie fast gar nichts”, sagt Dobbelmann. Nur so viel: Als Kleinstserie von “circa 20 Stück” wurde die erste Generation des E-Golf in Wolfsburg aus Serienmodellen umgerüstet, denen man den 75-PS-Benzinmotor entnahm und an das Getriebe einen 15 Kilowatt starken Gleichstrommotor anflanschte. Die zum Fahren abrufbare Leistung beschränkte sich auf 16 PS.

Neuer E-Golf schafft 140 km/h

Der E-Golf, den VW dieses Jahr als Großserien-Elektroauto (Link: http://www.welt.de/motor/fahrberichte-tests/elektro-hybrid/) produzieren will, kommt auf 115 Pferdestärken. Auch in anderen Daten ist Fortschritt abzulesen: Der RWE-Golf erreichte mit seinem Nähmaschinenmotor 80 km/h, die Reichweite mit einer Batterieladung betrug 50 Kilometer.

Im neuen E-Golf wird man 190 Kilometer entfernte Ziele nonstop erreichen, und das in flottem Tempo: Bis zu 140 km/h schnell wird das Auto – allerdings reduziert Vollgas die Reichweite um mindestens 30 Prozent, präzise Angaben fehlen bislang.

Angesichts des Schwungs, mit dem VW die Markteinführung des elektrifizierten Bestsellers vorbereitet, wirkt das Exponat des Strommuseums umso kurioser. Ist es möglich, dass in 38 Jahren der technische Fortschritt so schneckenhaft langsam verlief?

“Es gab immer so Wellen”, sagt Museumsleiter Dobbelmann, “die frühen Elektroautos wie der Golf I entstanden im Gefolge der Energiekrise von 1974.” Als die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) 1973 die Fördermenge verringerte, sei den westlichen Industriestaaten die Abhängigkeit von fossilen Treibstoffen deutlich geworden.

1976 fuhr selbst “Strietzel” Stuck einen E-Golf

“Da hat man sich auch bei Herstellern und Energieversorgern gesagt: Wir müssen wohl mal was tun.” Natürlich spielten PR-Effekte schon damals eine Rolle. So hat es 1976 im Elektro-Golf bereits Präsentationsfahrten mit dem damaligen Formel-1-Piloten Hans-Joachim Stuck gegeben.

Zusätzliche Motivation, aktiv zu werden, seien öffentliche Fördergelder gewesen, ergänzt Historiker Dobbelmann. Für die zweite Generation des elektrisch betriebenen Golf, von der immerhin 50 bis 60 Stück gebaut wurden, gab es erhebliche Subventionen aus dem Programm “Neue Technologien für den Straßenverkehr” des Bundesforschungsministeriums.

Die E-Autos gingen meist an Energieversorger, die im Kundendienst damit herumzuckelten – und für VW Testkilometer abspulten. Zugleich verbreiteten sie als Werbeträger die Botschaft vom technischen Fortschrittswillen der Auftraggeber. “Aber die Leute haben damals nie an einem Strang gezogen, das ist der wesentliche Unterschied zur Gegenwart”, sagt der Recklinghäuser Museumsleiter.

Auch deswegen dauerte es fast 20 Jahre, bis ein E-Golf in den freien Verkauf ging. 1993 war das, inzwischen stand die dritte Golf-Generation bei den Händlern, und sie wartete nicht nur erstmals mit einem Sechszylindermotor auf, sondern auch mit Batteriebetrieb. Diese Variante war wieder für Energieversorger vorgesehen, als Gebrauchtwagen aber konnte sie an Privatkunden weiterverkauft werden.

CityStromer steht für 20 Jahre Denkpause

Bis 1996 wurden 120 Autos gebaut. Der Golf III CityStromer hatte einen 27-PS-Elektromotor und beherrschte bereits die Kunst der Rekuperation: Beim Ausrollen vor roten Ampeln und auf Gefällestrecken kann Bremsenergie in Strom zurückgewandelt werden. Der E-Golf der dritten Generation beschleunigt in 13 Sekunden von null auf Tempo 50 und kommt mit einer Akkuladung 70 Kilometer weit.

Manche CityStromer sind noch heute im Einsatz – ein Beleg für ihre Robustheit und den Enthusiasmus der Besitzer, die sich mit den geringen Reichweiten (im Winter um 40 Kilometer) arrangiert haben. Außerdem steht die Existenz der CityStromer auch für die beinahe 20 Jahre andauernde Denkpause in Wolfsburg: Von den Golf-Generationen vier und fünf gab es keine E-Versionen.

Erst 2011 im Golf VI wurde wieder eine Kleinserie aufgelegt, wieder mit 120 Stück. Mit diesem Auto wurde ernsthaft getestet, denn es war beschlossen, den Golf VII als reguläres Elektroauto anzubieten. Voraussetzung dafür ist der modulare Querbaukasten, eine Fahrzeugarchitektur, die den Einbau aller denkbaren Antriebsarten ermöglicht, ohne in Konstruktion oder Fertigung kostspielige Änderungen vornehmen zu müssen.

Der Blue-E-Motion, so heißt der Golf VI mit Elektromotor, nimmt einiges vom E-Golf vorweg: Lithium-Ionen-Akkus mit der Möglichkeit zur Schnellladung und besserer Reichweite legen die Grundlage für die technischen Daten des kommenden Modells. Wie andere E-Autos des Jahres 2014 wird der E-Golf berechenbarer einzusetzen sein als frühere Stromer.

Nachteile in Sachen Reichweite und Preis bleiben aber, sodass ungewiss ist, ob der E-Golf ein Erfolg wird. Oder in ein paar Jahren als neues Exponat in Hanswalter Dobbelmanns Sammlung steht.

Quelle: Erfolgloser Stromer : Wie der erste Elektro-Golf grandios floppte – Nachrichten Motor – DIE WELT.

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Ein Team der University of California, San Diego stattet im Projekt “Modular Battery Exchange and Active Management (M-BEAM)” einen Golf mit auswechselbaren Batteriemodulen aus.

Die Praxistauglichkeit soll mit einer Tour quer durch die USA von San Diego nach Charleston demonstriert werden berichtet “electrive.net”

Quelle, Text und Bild: http://www.motorvision.de